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Sonderausstellung Kalligraphie im Museum Suhr

Die im vergangenen Jahr eröffnete Sonderausstellung «Kalligraphie» stösst auf grosses Interesse und hat bisher viele Besucher erfreut. Sie wird auch im neuen Jahr weitergeführt bis Anfang Juni 2017.

Die Ausstellung gibt Einblicke in die Kalligraphie sowie in die Geschichte der Schrift. Sie will Freude wecken am Schreiben und an Geschriebenem, sie will Botschaften übermitteln, zum  Nachdenken anregen und auffordern, ein wichtiges Kulturgut wieder vermehrt zu pflegen. Peter Haller, Sigrid Raufeisen und Bettina Heizmann stellen über 100 Werke aus von der klassischen bis zur experimentellen Art. Im Weiteren geben 25 Tafeln einen Einblick in die Schriftgeschichte.

Das Museum Suhr ist jeweils von 14-17 Uhr wie folgt geöffnet: 19. Februar, 5. und 19. März, 2. April, 7. und 21. Mai sowie 4. Juni 2017 Finissage.

Was heisst Kalligraphie?
Kalligraphie wird vom griechischen kalligraphía abgeleitet zu kalós = schön und gráphein = schreiben, also schönschreiben.

Was ist Schrift?
Schrift ist eine der größten Erfindungen der Geschichte, vielleicht die größte, weil sie Geschichte erst möglich macht. Die ersten ägyptischen Hieroglyphen-Inschriften stammen aus den Jahren um 3100 v. Chr. Der Stein von Rosetta ist wohl die berühmteste Inschrift der Welt. Seine Entdeckung im Jahre 1799 ermöglichte die Entzifferung der Hieroglyphen. Das erste Alphabet entstand um 1500 v. Chr. in Phönizien. Die Abendländischen Schriften entwickelten sich aus der Römischen Kapitalis. (Andrew Robinson, Geschichte der Schrift)

Was ist Schreiben?
Ein altes Sprichwort sagt, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Was ist schreiben? Schreiben ist Chiffrieren der Sprache und der Geschichte. Im alten Ägypten hatte das Schreiben bereits einen hohen Stellenwert, die Verwaltung war hoch zentralisiert und erforderte eine grosse Anzahl amtlicher Schreiber. Die Ausbildung zu schreiberischer Fähigkeit wurde so zum Schlüssel eines erfolgreichen und gesicherten Lebens. Ein hoher ägyptischer Beamter riet seinem Sohn in einem Brief folgendes: Liebe Buchstaben wie deine Mutter, denn durch ihre Kenntnis kannst du dich vor harter Arbeit schützen und ein Beamter hohen Rufs werden. (Donald Jackson, Die Geschichte vom Schreiben)

Mit dem Aufkommen der Druckkunst im 15. Jh. verlor der Kalligraph seine Bedeutung und stürzte buchstäblich zwischen Stuhl und Bank. Er verlor damit auch seine Beziehung zur Herstellung schöner und wertvoller Dinge. Das Erscheinen des gedruckten Buches und die sozialen Veränderungen des folgenden Jahrhunderts drängten ihn ins Niemandsland ab. Die Kunst des Schönschreibens ging fast gänzlich vergessen. Die damaligen Techniken des Schreibens waren den Kalligraphen so selbstverständlich, dass niemand auf die Idee kam, diese aufzuschreiben. Erst Ende des 19. Jh. als Gegenreaktion auf die Industrialisierung, begann in England Edward Johnston die alte Technik wieder aufzubereiten.

Kalligraphie heute
In der Schweiz hat die Kalligraphie mit der Gründung der Schweizerischen Kalligraphischen Gesellschaft (1990) wieder Bedeutung bekommen. In den letzten Jahren ist eine neue Strömung Richtung experimenteller Kalligraphie zu beobachten. War früher die klassische Kalligraphie eine Männerdomäne, lichten sich heute die Reihen der grauen Häupter und junge Frauen übernehmen das Zepter. Sie pflegen mit Vorliebe eher den modernen Stil und überlassen das klassische Schreiben den älteren Semestern. Nach dem neuen Stil muss man das Geschriebene nicht mehr unbedingt lesen können. - Eine Veränderung vom Kunsthandwerk oder der Schriftkunst zur Kunst…?